4 Gründe zur Hoffnung – Ein Abend mit Jane Goodall

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Einladung zu einem Abend mit Jane Goodall mit einem Porträt von ihr

„Ich ging zu dieser Konferenz als Wissenschaftlerin, und verließ sie als Aktivistin“ erklärte Jane Goodall in Wien vor 1 100 Menschen. Eine Konferenz, die ihr Leben und das von vielen anderen verändern sollte. Dr. Jane Goodall gehört zu den bekanntesten Naturschützern unseres Jahrhunderts, ihr unglaubliches Durchhaltevermögen, ihre Konsequenz mit der sie ihrem Weg folgt, machen sie außergewöhnlich. Mit 85 Jahren stellt sie sich immer noch stundenlang vor Publikum, denn es ist ihre Berufung uns Hoffnung zu geben.

Am 10.9.2019 war die Aktivistin und Verhaltensforscherin zu Gast in Wien. Tauchen Sie mit uns ein, in die Geschichte von Jane Goodall und erfahren Sie die 4 Gründe, warum sie niemals aufgeben wird.

Jane Goodall wurde 1934 in London mit der Liebe zur Natur geboren, sobald sie lesen konnte, sog sie Informationen zu Tieren auf wie ein Schwamm. Von erspartem Geld kaufte sie sich ein gebrauchtes Exemplar von „Tarzan of the Apes“. Dieses Buch sollte ihren gesamten Werdegang prägen, denn sie verliebte sich Hals über Kopf in den Junglekönig, der zu ihrem Bedauern und Neid die falsche Jane heiratete. Durch diese literarische Erzählung formte sich in ihr der Wunsch nach Afrika zu gehen, mit wilden Tieren zu leben und Bücher darüber zu schreiben. Alle in ihrem Umfeld rieten ihr einen realisierbaren Traum zu wählen, denn sie sei nur ein kleines Mädchen und der zweite Weltkrieg tobte. Doch ihre Mutter sagte zu ihr: “Wenn du wirklich etwas derartiges tun willst, dann musst du verdammt hart arbeiten. Nutze jede Möglichkeit, die du bekommst, aber gib nicht auf!“ („If you really want to do something like this, you gonna have to work awfully hard. Take advantage of every opportunity, but don’t give up.“)

Nun ja, das tat sie! Denn heute 75 Jahre später, wissen wir alle, dass sie ihren Traum erfüllte. Jane Goodall reiste als 23-jährige per Schiff nach Kenia, dort ergatterte sie eine Sekretärinnenstelle bei Dr. Louis Leakey, Kurator des Naturhistorischen Museums. Dieser war begeistert von der neugierigen Frau und sollte ihr Mentor werden. Er schickte sie in den Wald nach Gombe in Tansania, um Schimpansen zu beobachten. Nach ihrem Durchbruch – durch die Entdeckung, dass Schimpansen Werkzeuge nutzen, wie wir Menschen – verschaffte er ihr einen Studienplatz in Cambridge, wo sie ihr Doktorat machte.

Jane Goodall entwickelte eine unsagbare Liebe zu ihren Studienobjekten, den Schimpansen. Gänzlich unkonventionell für damalige Zeiten, gab sie ihnen Namen, erkannte ihnen Emotionen zu. Der sie umgebende Regenwald nahm sie völlig ein. Sie begriff, dass alle Lebewesen in einer Beziehung stehen, dass jede noch so unscheinbare Art ihre Aufgabe hat. Sie empfand die große energetische Kraft der Natur („great spirit of power“).

Doch im Jahr 1986 kam die alles verändernde Konferenz, über den ethischen Umgang mit Tieren, in Chicago. Dort wurde ihr die Bedrohung ihrer geliebten Schimpansen derart bewusst, dass sie die Konferenz als Aktivistin verließ. Für sie selbst bedeutete es, den Platz ihres Glücks hinter sich zu lassen und in die Welt hinauszugehen. Unermüdlich kämpft sie seitdem für die Erhaltung der Naturvielfalt, mit großen Erfolgen. Diese Erfolge erzielt sie, indem sie den Menschen die Werkzeuge selbst in die Hand gibt. In den kleinen Ortschaften in Afrika fragte sie die Menschen, wie ihr Leben verbessert werden könnte. Bewohner erhielten Schulungen um bessere Landwirtschaft zu betreiben, sodass die Bejagung von Schimpansen und Abholzung des Waldes nicht mehr notwendig waren. Von selbst traten Jugendliche an sie heran, weil sie mitmachen wollten. Eine Bewegung Roots & Shoots („Wurzeln und Sprösslinge“) entstand, die Natur- und Umweltschutzprojekte auf die Beine stellt. Weltweit gibt es heute Institute, die die Botschaft von Jane Goodall weitertragen.

Wir zerstören unsere einzige Heimat

Und dennoch setzt sich Jane Goodall nicht zur Ruhe. Im Saal wurde es still, Betroffenheit lag in der Luft, als sie folgende Worte an uns richtete.

„Wir können das Hirn des klügsten Schimpansen nicht mit dem Hirn vergleichen, das eine Rakete designte, die zum Mars flog, um Fotos zu schießen. Wenn wir diese Fotos ansehen, sind wir uns sicher alle einig, dass wir nicht am Mars leben wollen.

Wie ist es möglich, dass das intellektuellste Wesen, das jemals die Erde bevölkerte, seine einzige Heimat zerstört?
Mir scheint, dass dieses kluge Hirn vom menschlichen Herzen, der Liebe und Leidenschaft entkoppelt ist.
Statt zu überlegen, wie unsere Handlungen unsere Kinder beeinflussen, denken wir darüber nach, wie sie unsere Karriere verändern werden. Unser Leben ist immer mehr abgeschnitten von der natürlichen Welt,  – von der wir aber doch ein Teil sind!“

Bühne mit Jane Goodall

Doch dann wandelte sie die Schwere in unseren Herzen in Leichtigkeit um, voller Zuversicht blickte sie in die Menschenmenge, die ihr gebannt lauschte, und verkündete 4 Gründe, weshalb sie trotz dieser finsteren Zeiten Hoffnung hat.

  1. Wo immer sie hinkommt, trifft sie auf junge Menschen, die ihr von ihren Taten und Aktionen erzählen, die die Welt verbessern. Die Bewegung Roots & Shoots wurde inzwischen in über 40 Ländern aufgegriffen.
  2. Das menschliche Gehirn! Jane Goodall vertraut in die Intelligenz des Menschen. Sie beobachtet, wie das Gehirn beginnt auf die heutigen Herausforderungen zu reagieren. Immer mehr Technologien ermöglichen uns ein besseres und nachhaltigeres Leben. Gehirne werden genutzt, um zu hinterfragen, wie ein Produkt hergestellt wurde, um uns ethisch korrekt, um uns bewusst gegen den Fleischkonsum zu entscheiden.
  3. Die Resilienz der Natur! Die Widerstandsfähigkeit der Natur, die Fähigkeit verlorenes Land wieder zurück zu erobern. Der Gombe National Park war auf eine kleine Fläche reduziert worden, er war umgeben von kahlen Hügeln. Heute erstrecken sich dort wieder junge Wälder, den Schimpansen wird mehr Raum zugestanden. Wenn Natur die Möglichkeit hat, erholt sie sich rasch.
  4. Die unzähmbare Energie des Menschen („The indomitable human spirit“) – Überall auf der Welt gibt es Menschen, die unabdingbar, unbeirrbar sich für das Gemeinwohl einsetzen. Menschen, die unlösbar scheinende Aufgaben bewältigen und niemals aufgeben. Und nicht nur manche Menschen, auch Tiere können diesen unbeugsamen Willen besitzen.

(Anmerkung: Oft erwähnt Jane Goodall noch einen 5. Grund, nämlich die Kraft der Sozialen Medien. Diesen Punkt zählte sie jedoch nicht an diesem Abend auf.)

Wenn Jane Goodall mit 85 Jahren eine Stunde stehen kann, um 1 100 Menschen zu mobilisieren, zu inspirieren und motivieren, warum sollten wir das nicht auch können? Jane Goodall ist überzeugt, dass wir gemeinsam den Wandel herbeiführen können. „But will we?“ Das fragt sie uns alle, werden wir?

Sie hat keine Zweifel und hat auch sogleich eine Antwort parat, weshalb sie alle im Raum aufforderte folgende Worte gemeinsam zu sprechen. Und laut ausgesprochen entwickelten die Worte eine besondere Kraft, Herz und Gehirn waren wieder vereint.

Sprechen Sie sie mit uns:

Ja, wir können und ja, wir werden!

 

Empfehlung von Jane Goodall: Sehen Sie sich Pigcasso an, es wird Ihre Sichtweise verändern:

https://www.youtube.com/watch?v=in4NKrB5D8Q

Ein Video, das den unzähmbaren Geist von Wounda, einer Schimpansendame zeigt.

https://www.youtube.com/watch?v=YzC7MfCtkzo

Quelle: Vortrag von Jane Goodall in Wien am 10.09.2019, der ganze Abend auf Video, bei Stunde 2:10 beginnt der Vortrag von Jane Goodall: https://www.facebook.com/janegoodall.at/videos/417006308942720/

Freundlich lächelnde Frau mit dunklem langen HaarÜber die Autorin

Dr. Isabell Riedl ist seit 2012 als Nachhaltigkeitsbeauftragte und in der Kommunikation der Werner Lampert GmbH tätig. Sie studierte Ökologie mit Schwerpunkt Natur- und Landschaftsschutz und Tropenökologie an der Universität Wien. Ihre Dissertation verfasste sie über die Bedeutung von Baumreihen in landwirtschaftlichen Gebieten für Waldvögel in Costa Rica. Zeit ihres Lebens hat sie sich insbesondere der ökologischen Nachhaltigkeit verschrieben. Sie ist Teil des Redaktionsteam des Online-Magazins „Nachhaltigkeit. Neu denken.“

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