Wir stellen Ernährungssouveränität in den Fokus

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Blick über eine hügelige Landwirtschaft

Was haben ein Koch aus dem Dschungel Papuas, Bergbauern aus Oberösterreich, der französische Agrarwissenschaftler Gérard Choplin und Bio-Pionier Werner Lampert gemeinsam? Ihnen allen ist unsere Versorgung mit Lebensmitteln wichtig. Doch ihnen geht es nicht nur um die Sicherheit, dass wir täglich zu essen haben, sondern um Ernährungssouveränität.

Hintergrundwissen und Verständnis für Ernährungssouveränität ist noch nicht weit verbreitet. Oft wird der Begriff dann einfach mit Ernährungssicherheit gleichgesetzt, wodurch aber viel vom Inhalt dieses wichtigen Konzepts verloren geht. Daher widmen wir diesem langen Wort einen ganzen Schwerpunkt.

Der Begriff ist ein sehr junger aus dem späten 20. Jahrhundert, doch die Entwicklungen, welche dessen Entstehung notwendig machten, reichen natürlich weiter zurück. Da spielen die Industrialisierung, der Marshall-Plan und Handelsabkommen eine bedeutende Rolle (Mehr zur Geschichte der Ernährungssouveränität). Die Landwirtschaft wurde von Tag zu Tag globaler und familiäre Kleinbetriebe kamen zusehends in Bedrängnis. Im Jahr 1993 formte sich die Kleinbauernorganisation „La Via Campesina“ in Mons, Belgien.

„Nach dem GATT-/ WTO-Abkommen 1994 war es den Bauern von La Via Campesina klar, dass sie in Zukunft in immer geringerem Maß selbst über ihre Betriebe bestimmen können“, schreibt Gérard Choplin (Ehemaliger Politischer Referent der Europäischen Koordination Via Campesina über Ernährungssouveränität). 1996 präsentiert die Organisation zum ersten Mal das Konzept der Ernährungssouveränität beim Welternährungsgipfel der FAO in Rom.

Die Kleinbauernorganisation La Via Campesina fasst Ernährungssouveränität folgendermaßen zusammen: „Ernährungssouveränität ist das RECHT aller Völker, Länder oder Ländergruppen, ihre Landwirtschafts- und Ernährungspolitik selbst zu definieren, ohne Dumping gegenüber Drittländern“. (Mehr zum Konzept der Ernährungssouveränität)

Ernährungssouveränität heute

Geprägt haben den Ausdruck Kleinbauern, mittlerweile greifen aber verschiedenste Institutionen und Personen die Idee auf und setzen sich dafür ein. In der wissenschaftlichen Nachhaltigkeitsbewertung SMART vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau ist Ernährungssouveränität sogar eines von 58 Unterthemen der Nachhaltigkeit. (Der wissenschaftliche Aspekt der Ernährungssouveränität)

Gelebt und unterstützt wird die Ideologie von jedem, der die Prinzipien der Ernährungssouveränität von „einem gerechten, ökologisch harmonischen und lokalen Ernährungs- und Landwirtschaftssystem“ (FAO 2014) hoch hält, selbst wenn er den Begriff noch nie gehört hat. Das kann ein oberösterreichischer landwirtschaftlicher Betrieb mit 50 Mitarbeitern sein (Der Loidholfhof stellt sich vor), aber auch ein sogenannter indigener Küchenchef im weit entfernen Papua (Köche bewahren Traditionen).

Agrarwissenschaftlerin und Autorin Andrea Heistinger sieht die Angelegenheit so: „Das muss man ganz menschlich sehen: Manche fühlen sich in kleineren Einheiten wohl und andere gehen in großen Teams auf oder können große Zusammenhänge überblicken. Ernährungssouveränität ist bei beiden möglich, Hauptsache die Menschen können ihr Potential entfalten und das System ist auf Gegenseitigkeit und Beziehung aufgebaut.“ (Zum Interview mit der Autorin von „Basiswissen Selbstversorgung aus Biogärten“)

Machen auch Sie Ernährung souveräner

Auch wenn Sie keinen landwirtschaftlichen Betrieb führen, können Sie zur Ernährungssouveränität beitragen.

Ernährungssouveränität ist sowohl politisch als auch emotional, sie ist dicht verwoben mit wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Aspekten. Sie enthält Rebellion, Revolution und fordert eine gesunde Ernährung, die nachhaltig produziert wurde und unter respektvollen Bedingungen für den Menschen.

Definitiv liefert sie genug Interessantes um sie in den Fokus zu stellen.

Freundlich lächelnde Frau mit dunklem langen HaarÜber die Autorin

Dr. Isabell Riedl ist seit 2012 als Nachhaltigkeitsbeauftragte und in der Kommunikation der Werner Lampert GmbH tätig. Sie studierte Ökologie mit Schwerpunkt Natur- und Landschaftsschutz und Tropenökologie an der Universität Wien. Ihre Dissertation verfasste sie über die Bedeutung von Baumreihen in landwirtschaftlichen Gebieten für Waldvögel in Costa Rica. Zeit ihres Lebens hat sie sich insbesondere der ökologischen Nachhaltigkeit verschrieben. Sie ist Teil des Redaktionsteams des Online-Magazins „Nachhaltigkeit. Neu denken.“

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