Wie behandeln wir unseren Planeten?

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Blick von unten auf 2 Mohnblumen

Der weltberühmte und dieses Jahr verstorbene Physiker Stephen Hawking war stets ein Verfechter des Klimaschutzes. Er wusste von dem grundsätzlichen Problem, dem derart respektlosen Umgang des Menschen mit Ressourcen, sodass ein einziger Planet dafür nicht ausreicht. Sein Ansatz war die rasche Suche eines neuen Planeten für die Menschheit.

Doch wollen wir wirklich alle Flüchtlinge werden? Wollen wir unsere Mutter Erde mit all ihren wunderbaren Lebewesen und traumhaften Landschaften verlassen? Wollen wir sie wirklich in einem solchen Maß ausbeuten und zugrunde richten, dass sie nicht mehr lebenswert ist?

Der Mensch sieht sich oft als Krönung der Schöpfung und als den Tieren überlegen. Dabei folgen wir durchwegs primitiven Instinkten. Bedürfnisse sollen immer sofort und ohne Rücksicht auf Verluste erfüllt werden.

Unser ganzes System ist wie ein triebgesteuerter Mensch. -Werner Lampert.

Diese Habgier und Völlerei führt dazu, dass jeder Mitteleuropäer 3,8 Hektar Land für seine Versorgung benötigt, Land, das auf unserem Teil des Kontinents gar nicht zur Verfügung steht. Somit sind Zentral- und Westeuropa von einer Fläche so groß wie Deutschland außerhalb der EU abhängig um Nahrung und Futtermittel für Nutztiere sicher zu stellen. Dieses Übermaß ist nur möglich, wenn Menschen anderer Regionen weniger nutzen, wie zum Beispiel Inder, sie brauchen lediglich 1,06 Hektar pro Nase.

Quelle allen Übels

Warum jedoch ist unser ökologischer Fußabdruck so immens? Die zentrale Ursache ist der stetig ansteigende Konsum tierischer Produkte. Von der eisfreien Erdoberfläche werden 26% für die Viehwirtschaft genutzt, unglaubliche zwei Drittel der Ackerfläche dienen der Ernährung von Nutztieren. Die Viehwirtschaft ist sogar aktuell für 9% aller anthropogenen CO2-Emissionen verantwortlich.

Österreich ist sogar Spitzenreiter im Fleischkonsum. 106,4 kg Schlachtgewicht Fleisch kommen pro Jahr auf einen Einwohner, das sind 290 g pro Tag! Schlimm dabei ist, dass nicht einmal alles verzehrt wird, viele Teile des Tieres werden zu Tierfutter abgewertet, entsorgt oder billig ins Ausland verkauft.

Als Nebeneffekt des Überflusses werden Böden ausgelaugt, Biodiversität vernichtet, Gewässer und Luft verschmutzt. 25% der landwirtschaftlichen Fläche der EU sind von Bodenerosion betroffen. Die weltweite Degradierung der Böden gefährdet die Existenzgrundlage von 3,2 Milliarden Menschen. Es wird sogar erwartet, dass der globale Ernteertrag in den nächsten 30 Jahren um 10% abnehmen wird. Und das bei steigender Weltbevölkerung!

Die Grenzen unseres Planeten

Es lässt sich vielfach wissenschaftlich beweisen, dass die menschliche Ressourcennutzung zu katastrophalen Umweltveränderungen führt beziehungsweise schon geführt hat. „Das Konzept der […]Planetaren Grenzen […] zeigt, dass wir beim Artensterben und beim Phosphorkreislauf […] die Grenze überschritten haben und beim Klimawandel im sehr riskanten Bereich sind“, erklärt Dr. Franz-Stephan Lutter des Instituts für „Nachhaltige Ressourcennutzung und globale Verantwortung“ der WU Wien.

Tag des jüngsten Gerichts?

Ganz schön düster diese Aussichten. Aber trotz all dem Unglück auf dieser Welt, setzt sich eine Vielzahl eben dieser sonst so destruktiven Menschen für das Schöne und Positive ein. Am 1. Januar 2016 traten die Sustainable Development Goals (SDGs) mit einer Laufzeit von 15 Jahren in Kraft. Sie wurden von den UN-Mitgliedsstaaten beschlossen und enthalten eine Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Dazu gehören das Ende von Armut, Schutz des Planeten und ein allgemeiner Wohlstand für die Menschheit.

Ziele sind der Startschuss, auf den Taten folgen müssen. Dr. Lutter hofft auf eine Veränderung in der Wirtschaft: „Unser Ziel muss sein, das Wirtschaftswachstum von der Ressourcennutzung zu entkoppeln. Also wachsen und trotzdem weniger Ressourcen verbrauchen. Ob das überhaupt funktioniert? Das ist zurzeit die große Frage, auf die es noch keine eindeutige Antwort gibt.“

Wege zum Ziel

Positive Praxisbeispiele, dass es durchaus funktioniert, gibt es schon jetzt. Das Prüf Nach!-Team von Werner Lampert zeigt mit seinen Projektpartnern eindrucksvoll, wie bodenschonende Landwirtschaft betrieben werden kann, die obendrein wirtschaftlich bleibt. Essens-Initiativen rütteln die Menschheit wach und lösen weltweite Trends wie „Nose to tail“ aus, wo die ganzheitliche Verwertung von Tieren umgesetzt wird. Auch vom Gemüse wird nichts mehr weggeworfen. Das Projekt „Weltacker 2000m²“ motiviert, durch seine anschauliche Darstellung der globalen Landnutzung auf 0,2 Hektar Acker, zu einem schonenden und fairen Umgang mit Lebensmitteln. Denn es ist nicht ethisch korrekt, dass wir mehr nutzen als ein Inder.

Die ärmeren Regionen des Südens tragen in der Regel weniger zum Klimawandel bei, sind aber stärker von dessen Folgen betroffen. […] Die Sustainable Development Goals sind da in jeder Hinsicht sinnvoll. Sie entsprechen der Leitidee einer One-World-View: Gegenseitige Schuldzuweisungen bringen uns nicht weiter, wir können nur gemeinsam die Welt als lebenswerten Raum erhalten“, bekräftigt auch Umweltsoziologe Preisendörfer.

Mann hält Plastisack mit Müll in die HöheSo abgedroschen das klingt, wir werden es nur gemeinsam schaffen. „Stellen Sie sich vor, jeder Mensch würde täglich 1 Stunde in unsere Gesellschaft und für unsere Erde investieren. Das wären 7 Milliarden Stunden täglich. Das ist äquivalent zu eine Million Jahren getanem Einsatz pro Tag“, schreibt US-Umweltaktivist Rob Greenfield.

Das ist beeindruckend! Begreifen Sie, was wir zusammen täglich schaffen können? Ziehen Sie Ihr eigenes Gemüse, informieren Sie sich und andere über nachhaltige Produkte, konsumieren Sie bewusst, setzten Sie einen Schritt nach dem anderen.

Schützen wir unser einziges Zuhause! Denn so verlockend es auch klingen mag, wir haben keine Technologie um andere Planeten zu besiedeln.

Freundlich lächelnde Frau mit dunklem langen HaarÜber die Autorin

Dr. Isabell Riedl ist seit 2012 als Nachhaltigkeitsbeauftragte und in der Kommunikation der Werner Lampert GmbH tätig. Sie studierte Ökologie mit Schwerpunkt Natur- und Landschaftsschutz und Tropenökologie an der Universität Wien. Ihre Dissertation verfasste sie über die Bedeutung von Baumreihen in landwirtschaftlichen Gebieten für Waldvögel in Costa Rica. Zeit ihres Lebens hat sie sich insbesondere der ökologischen Nachhaltigkeit verschrieben. Sie ist Teil des Redaktionsteam des Online-Magazins „Nachhaltigkeit. Neu denken.“

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