Kein fruchtbarer Boden, keine Nahrungsmittel

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Regale, zum Bersten gefüllt mit Lebensmitteln, machen es uns schwer vorstellbar, dass wir auf einen Versorgungsengpass zusteuern. Und dennoch gefährden die Landdegradierung und der Verlust an gesunden Böden schon jetzt 3,2 Milliarden Menschen in ihrer Existenz.

Bei einer Landfläche von insgesamt 149,4 Millionen km² auf unserem Planeten kann man das kaum glauben. Viel unbegreiflicher noch, dass Boden nach menschlichen Maßstäben eine nicht erneuerbare Ressource wie Erdöl sein soll.

Verständlicher wird es, wenn man bedenkt, dass die Bildung von 1 cm Boden bis zu 100 Jahre benötigt, und allein in Österreich der durchschnittliche Bodenabtrag auf landwirtschaftlichen Böden rund 3.8 Tonnen pro Hektar und Jahr beträgt. Die jährliche Bodenneubildung beträgt hingegen nur 1 bis 2 Tonnen pro Hektar. Zusätzlich werden in Österreich jährlich über 5 200 Hektar verbaut. Das bedeutet jedes Jahr wird eine Fläche versiegelt, die theoretisch etwa 2 600 Menschen ein ganzes Jahr lang ernähren könnte!

Warum ist Boden so wichtig?

Neben der Dringlichkeit das Verbauen von Flächen zu verhindern, ist es von größter Bedeutung die Fruchtbarkeit der bestehenden Ackerflächen zu schützen.

Denn der Boden ist unser aller Grundlage, auf ihm und durch ihn wachsen die Nahrungsmittel, die wir konsumieren. In und auf ihm leben Mikroorganismen, Tiere und Pflanzen. Fünfzehn Tonnen verschiedener Organismen finden sich in einem Hektar Boden, das ist vergleichbar mit dem Gewicht von 20 Kühen.

Böden nehmen Wasser auf und verhindern dadurch nicht nur Überschwemmungen, sondern filtern und speichern auch Regenwasser. Je dicker die Humusschicht ist, desto mehr Wasser kann Boden speichern. Schon 1% mehr Humus führt dazu, dass 40 mm mehr Regenwasser pro m² den Pflanzen verfügbar gemacht werden können.

Humus ist organische Substanz und die fruchtbarste Schicht von Böden. Er wird von Bodenorganismen aus abgestorbenem organischem Material wie Pflanzenteilen gebildet. Humus lockert schwere Böden und verschafft leichten sandigen Böden mehr Bindigkeit. Somit wird das Erdreich widerstandsfähiger gegenüber extremen Umwelteinflüssen und Erosion und weist eine verbesserte Wasseraufnahme auf.

Da durch den Klimawandel einerseits zunehmende Trockenheit, aber auch vermehrt extreme Niederschläge zu erwarten sind, wird der Erhalt und Aufbau von Humus immer wichtiger.

trockene Erdbrocken

Boden als CO2-Senke

Abgesehen davon, dass eine dickere Humusschicht fruchtbare, gesunde Böden bedeutet und unsere Ernährung sichert, erfolgt die CO2-Bindung des Bodens hauptsächlich über diese. 58 % des Kohlenstoffs im Humus stammt aus der Atmosphäre.

Unsere Böden sind der größte Kohlenstoffspeicher neben dem Meer und unser Umgang mit ihnen beeinflusst direkt unser Klima.

Bei der richtigen Bewirtschaftung nimmt er sogar mehr CO2 auf, als er abgibt und fungiert als CO2-Senke

Ökologisch bewirtschaftete Flächen binden dabei mehr CO2 als konventionelle. Konventionelle geben zusätzlich auch mehr Lachgas (N2O) ab. Der übermäßig eingesetzte industrielle Dünger gelangt einerseits als Nitrat ins Grundwasser, wodurch unsere Trinkwasserreserven belastet werden, und andererseits als Treibhausgas in die Atmosphäre. Das feuert den Klimawandel zusätzlich an, da Lachgas 298-mal so klimaschädlich ist wie CO2 und die Abgabe von Wärme ans Weltall verhindert.

Die Landwirtschaft ist für bis zu 30% der Treibhausgasemissionen verantwortlich, das ist mehr als der weltweite Flugverkehr!

Eine nachhaltige Landwirtschaft wird von der FAO der Vereinten Nationen nicht aus Romantik gefordert oder um Agrarlobbys zu ärgern, sondern aufgrund einer Vielzahl wissenschaftlicher Fakten.

Bodenschutz bedeutet Klimaschutz und keinen Hunger

Die vereinten Nationen haben im Jahr 2016 die Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) veröffentlicht, dazu zählen auch „Kein Hunger“ und „Maßnahmen zum Klimaschutz“. Ein Weg zur Erreichung ist eine humusfördernde Wirtschaftsweise, diese ist Teil der Prüf Nach!-Richtlinien seit Entwicklung – 2006 – des Standards durch Werner Lampert und sein Team.

Dazu zählt eine ausgewogene Fruchtfolge, stark humuszehrende Früchte wie Kartoffel, Karotten oder Hafer dürfen maximal alle 5 bis 6 Jahre am selben Feldstück angebaut werden. Karotte und Kartoffel entnehmen dem Boden besonders viele Nährstoffe, weil nur ein geringer Teil der Pflanze am Feld zurückbleibt und die Bodenbearbeitung sehr intensiv ist.

Entzogene Nährstoffe müssen über Düngung wieder eingebracht werden. Die konventionelle Landwirtschaft setzt hier auf schnellverfügbare Stickstoffdünger, dessen Herstellung übrigens ca. die Hälfte des Energieverbrauches der modernen Landwirtschaft ausmacht. Nur ein Teil des Stickstoffs wird dabei von den Pflanzen aufgenommen und der Rest ausgewaschen. Im Gegenteil dazu bedient eine nachhaltige Düngung das Bodenleben. Kompostierter Viehmist, der viel weniger aggressiv ist als Gülle, eignet sich hervorragend dazu. Das organische Material wird von Mikroorganismen und Lebewesen im Boden zersetzt und die Nährstoffe den Pflanzen verfügbar gemacht.

Positiv wirkt sich auch ein ständiger Bodenbewuchs aus, der einerseits die Erosion vermindert und andererseits die Bodenaktivität zusätzlich fördert. Werden Hülsenfrüchtler wie Klee, Luzerne oder Bohnen zur Begrünung eingesetzt, wird darüber hinaus Luftstickstoff gebunden, der wiederum als Dünger für das Bodenleben und das Pflanzenwachstum wichtig ist.

Ein letzter Aspekt ist die Art der Bodenbearbeitung. Als klassisches Instrument gilt seit jeher der Pflug. Er dient dazu, organisches Material einzuarbeiten, den Boden zu wenden und Unkrautsamen zu unterdrücken. Diese Methode hat leider zwei massive Nachteile, sie führen zu Bodenverdichtung und erhöhter Bodenerosion.

dunkle schwarze Erde mit RegenwürmernNeuere Systeme erfahren in der alternativen Landwirtschaft daher immer mehr Zulauf – dazu zählt eine reduzierte Bodenbearbeitung (nur die obersten 15 cm werden gepflügt) und die Direktsaat. Bei der Direktsaat wird das Saatgut zwischen die Ernterückstände der letzten Ackerfrucht ausgebracht ohne die Böden zuvor zu pflügen. Dabei erspart man sich den Arbeitsaufwand des Pflügens, muss in Folge jedoch mehr Zeit für die Beikrautregulierung einplanen.

Die Werkzeuge für einen nachhaltigen Umgang mit unseren Böden, zur Reduzierung von Treibhausgasen in der Atmosphäre und der Bewahrung unserer Ernährungsgrundlage sind vorhanden, wir müssen sie nur nutzen.

Wir müssen begreifen wie wichtig gesunde Böden für die Menschheit sind und erkennen, dass diese Ressource um ein vielfaches wertvoller ist als alles Erdöl dieser Welt.

Freundlich lächelnde Frau mit dunklem langen HaarÜber die Autorin

Dr. Isabell Riedl ist seit 2012 als Nachhaltigkeitsbeauftragte und in der Kommunikation der Werner Lampert GmbH tätig. Sie studierte Ökologie mit Schwerpunkt Natur- und Landschaftsschutz und Tropenökologie an der Universität Wien. Ihre Dissertation verfasste sie über die Bedeutung von Baumreihen in landwirtschaftlichen Gebieten für Waldvögel in Costa Rica. Zeit ihres Lebens hat sie sich insbesondere der ökologischen Nachhaltigkeit verschrieben. Sie ist Teil des Redaktionsteam des Online-Magazins „Nachhaltigkeit. Neu denken.“

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