Freedom – nothing left to lose

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Mann in kurzer Hose und weißem Hemd geht auf einem Steg Richtung See

Unsere Freiheit, welch ein scheues Ding. Kaum ergreifen wir sie, schon ist sie wieder entschwunden. In meiner Jugend beschrieb Bobby McGee mein Freiheitsgefühl: „Freedom’s just another word for nothing left to lose“ wild und leidenschaftlich gesungen von Janis Joplin. „Nothin‘, it ain’t nothin‘ honey, if it ain’t free“.

Und wir waren frei. Wir hatten nichts, was wir verlieren konnten. Kein Gut, kein Wissen um die Zusammenhänge. Nichts als zwei Füße, den Kopf voll Träume und ein mutiges Herz. Das, was wir vorfanden war kläglich, verlogen, erbärmlich. Die entschwindende Nazizeit hinterließ noch ihre Schatten.

Mit Herbert Marcuse waren wir einer Meinung: die Menschen erkennen sich nur noch in ihren Waren wieder, ihre Seele finden sie in ihrem Auto, ihrem Küchengerät usw. Es herrschte eine komfortable, demokratische Unfreiheit. Freiheit konnte sich nicht entfalten, denn die Menschen unterlagen den Zwängen, den Sachzwängen, der Wirtschaft und den, den Menschen aufgedrängten, falschen Bedürfnissen. Und in diese unser aller Bedingtheit platzte der ekstatische Schrei: „Freedom’s just another word for nothing left to lose.“

Unsere Träume, unsere Vorstellungen von einer lebenswerten Welt, von einem lebenswerten Miteinander wurden davon bestimmt.

Und das Gemeinwesen, also wir alle, wo bleiben wir?

Noch etwas früher war Prometheus mein Held. Prometheus, der den Göttern das Feuer raubte und uns Menschen schenkte, Prometheus der Eckstein unserer Zivilisation. Er nahm gewaltige Opfer auf sich, um uns Menschen Freiheit zu ermöglichen.

Vor Prometheus waren es die Erzählungen aus dem Alten Testament, die uns ermutigten neue Wege zu gehen. „Ich bin JHWH, dein Gott, der dich aus dem Lande Ägypten, dem Sklavenhaus, herausgeführt hat.“ Ein für alle Mal sollten wir von jeder Art von Sklaverei befreit sein. Und diese existentielle Befreiung ging einher mit der Verheißung vom gelobten Land, in dem Milch und Honig fließe.

Das war für mich eine Versöhnungsverheißung mit der allseits geschundenen Natur, die uns beständig beschenkt.

Die Erde, die Fürsorgliche

Allem unseren Schindluder zum Trotz, ist es nach wie vor so, die Erde nährt uns, die Fürsorgliche! Im Garten Eden wurden uns Menschen die Augen aufgetan. Wir bekamen mit unserer Freiheit auch die Erkenntnismöglichkeit Gut von Böse zu unterscheiden, überantwortet.

Die Freiheit als Wahlmöglichkeit

Sind wir frei, müssen wir uns nicht mehr mit dem Vorgegebenen herumschlagen, wir sind dann im Stande den als richtig erkannten Weg zu wählen.

Wir kommen so von der Freiheit zum Engagement, zum Tun, zur Mitmenschlichkeit, zur Freiheit aus ethischer Verantwortung zu handeln.

Aus unserer Erkenntnis heraus zum guten Handeln, zur sittlichen Freiheit, zur sittlichen Selbstbestimmung.

So wird Freiheit zur erkannten Notwendigkeit. Und bei Novalis heißt es: Mit der Bildung und Fertigkeit des Denkens, wächst die Freiheit – und weiter: „Freiheit und Liebe ist EINS.“

Schauen wir, wie es um uns steht, benötigen wir ein großes, nimmer endendes Engagement und eine große Liebe zur Notwendigkeit, das sittlich Richtige zu tun.

Das sittlich Richtige tun

Sehen wir uns um, erkennen wir die Not. Die Meere verseucht, überfischt. Es gibt kaum noch Fische ohne Mikroplastik. Aus den Ozeanen machten wir Plastikhöllen. Die Erderhitzung ist schon weit fortgeschritten. Die beiden Pole beginnen zu schmelzen, die Temperatur auf unserem wunderschönen, blauen Planeten steigt an und beeinträchtigt das Leben auf unserer Erde. Die Vielfalt von Pflanzen und Tieren wird Tag für Tag geschmälert, zerstört.

Der Humus auf unseren Äckern wird systematisch abgetragen, der Boden wird mit Kunstdünger, Pestiziden verseucht, unsere Oberflächenwasser sind Opfer des Zuviels an Gift, das auf die Äcker aufgebracht wird. Unser Umgang mit unseren Mitgeschöpfen, den Tieren, ist ein reiner Qualumgang.

Die Politik ist unfähig zu handeln. Bloß nirgendwo anecken. Nicht die Polis bestimmt den Weg, sondern PR und pressure groups, die vor allem ihre Kapitalinteressen im Auge haben und ihre Pfründe.

Und das Gemeinwesen, also wir alle, wo bleiben wir?

Wir sollten unsere Freiheit ergreifen und uns den Notwendigkeiten stellen. Freiheit durch Solidarität für die Entrechteten, für die ausgebeutete, devastierte Natur.

Noch ist Zeit, noch können wir handeln. Aus unserer Freiheit heraus und der sittlichen Erkenntnis für das Gemeinwohl sollten wir uns engagieren und aus Liebe für das Leben, unser aller Leben und das Leben unserer Nachkommen.

Freiheit gehört zur Würde der Person. Stellen wir doch überall, wo die die Würde der Personen, der Natur, der Tiere, der Umwelt zerstört wurde, die Würde wieder her, – aus Fürsorge für das uns Anvertraute, aus Verantwortung für den Nächsten, für die Umwelt, für die Natur, die Tiere.

So wird unsere Freiheit zum Tun der erkannten Notwendigkeit, – zum sittlichen, richtigen, guten Tun!

Es ist Zeit erwachsen zu werden, einzustehen für das, was wir zerstören, für die Katastrophen, die wir anrichten und den Weg der Verantwortung zu gehen, genau hinzusehen, was die Folgen und Nebenfolgen unserer Handlungen, unserer Entscheidungen sind.

In gesellschaftlichem Umgang, in unserem Konsumverhalten, in unserem Umgang mit Natur und den Tieren, nur so werden wir unserer Freiheit gerecht.

Über Werner Lampert

Portrait eines bärtigen Mannes mit lockigem ergrauten Haar und HornbrilleWerner Lampert (geboren 1946 in Vorarlberg/Österreich) zählt zu den Wegbereitern im Bereich nachhaltiger Produkte und deren Entwicklung in Europa. Der Biopionier beschäftigt sich seit den 1970er-Jahren intensiv mit biologischem Anbau. Mit Zurück zum Ursprung (Hofer) und Ja! Natürlich entwickelte er zwei der erfolgreichsten Bio-Marken im deutschen Sprachraum.

 

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