7 Argumente gegen Klimaleugner

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Sonnenuntergang über Meer

Angenommen der Himmel würde sich leuchtend lila verfärben durch die vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen. Angenommen wir könnten die Sterne dadurch nicht einmal mehr von den höchsten Gipfeln in Österreich aus bestaunen. Wäre dem so, hätte das Problem womöglich viel früher Beachtung gefunden. Und es gäbe wohl kaum Menschen die den Klimawandel abstreiten würden. Aber es bleibt wie es ist: Treibhausgase sind durchsichtig und wir glauben (leichter) was wir sehen. Aber ist die Klimaerwärmung wirklich eine Glaubensfrage?

Aus wissenschaftlicher Sicht lautet die Antwort ganz klar: nein. Über 97% der WissenschaftlerInnen sind sich einig, dass die Erderwärmung überwiegend auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen ist[1]. Diese Übereinstimmung ist exakt gleich groß wie jene, dass Rauchen Lungenkrebs verursacht[2]. An diesem Zusammenhang hegt öffentlich niemand Zweifel, daran ob der Mensch wirklich schuld am Klimawandel ist, aber schon. Woran liegt das?

Wir alle haben einen persönlichen Bezug zum Rauchen. Vielleicht gibt es sogar einen uns lieben Menschen, der an den Folgen des Rauchens schwer erkrankte oder starb. Zum Klimawandel haben wir weniger persönlichen Bezug. Die meisten von uns haben keine Verwandten oder Freunde, die von großen Klimakatastrophen persönlich betroffen waren, wie aktuell in Australien, wo Menschen wegen der verheerenden Waldbrände evakuiert werden mussten.

Die Klimakrise ist als Problem nach wie vor für viele Menschen ein erschlagend großes Problem. Die Vorstellung ohne fossile Brennstoffe auskommen zu müssen, führt nach wie vor in weiten Teilen der Gesellschaft zu Schnappatmung.

Leichter ist es da, die Ursachen ebenso anzuzweifeln, wie mögliche Folgen oder die Sinnhaftigkeit von Klimaschutzmaßnahmen.

Sollten Sie also unter Freunden oder am Stammtisch in eine hitzige Diskussion geraten, wo Klimamythen und falsche Behauptungen ausgepackt werden, möchten wir Sie hiermit mit leicht verständlichen Fakten für die Auseinandersetzung wappnen.

Klare Argumente gegen das Klimamythen-Schlamassel


1.      Wird die Erde wirklich wärmer?

Eindeutig ja. Vor allem seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts hat die globale Erwärmung als Folge der menschlichen Treibhausgasemissionen in erschreckendem Tempo zugelegt[3],[4]. In Österreich hat sich die mittlere Temperatur über das Jahr betrachtet bereits um deutlich über 2° C erwärmt (im weltweiten Durchschnitt sind es mehr als +1°). Seit 2000 haben wir die 14 wärmsten Jahre erlebt. Die letzten 4 Jahre waren global die wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen[5].

Grafik zur Temperatur in Ö

Quelle: ZAMG

2.      Ist der Mensch wirklich schuld an der Klimakrise? Sind es nicht vielleicht die Sonnenzyklen oder andere natürliche Faktoren?

Leider, es ist eindeutig der Mensch. Der rasante Temperaturanstieg ist fast vollständig auf Treibhausgas-Emissionen zurückzuführen, die durch unser Wirtschaften und unseren Lebensstil entstanden sind. Die Sonne ist ebenso wie der Einfluss anderer natürlicher Faktoren äußerst gering einzustufen[6]. Würde man sich Ursachen der Erderwärmung als Orchester vorstellen, wären die natürlichen Quellen die Triangel. Die restlichen Instrumente würden vom Menschen gespielt.

3.      Ist das wirklich ein Problem? Oder wäre das für uns nicht vielleicht sogar vorteilhaft?

Dass durch den Klimawandel der Flieder früher blüht, wir die Winterjacken später auspacken müssen und unsere Felder einige Wochen länger im Jahr bewirtschaften können, mag auf den ersten Blick vorteilhaft wirken. Auf den zweiten Blick kämpfen wir in Österreich heute schon mit Klimaschäden in Millionenhöhe durch Hochwässer, Muren, Dürren und andere extreme Wetterereignisse. Würden wir so weitermachen wie bisher, käme uns das bis 2050 teuer zu stehen: bis zu 8,8 Milliarden Euro müssten wir dann jährlich aus der Steuerkasse entnehmen[7]. Eine immense Summe, die exakt unserem jährlichen Budget für Bildung entspricht.

4.      Gab es solche Klimaänderungen nicht auch schon in der Vergangenheit?

Zumindest nicht seit Menschengedenken. Wenn wir wissen möchten, wie die Erde ausgesehen hat, als es zum letzten Mal so hohe CO2-Konzentration in der Atmosphäre gegeben hat, müssen wir im Geschichtsbuch der Erde sehr weit zurückblättern, über 3 Millionen Jahre zurück ins Pliozän – der Meeresspiegel um bis zu 25m höher lag und in der Arktis Wälder wuchsen.

Wie können wir uns da so sicher sein? Vergangene Erdzeitalter haben uns aufschlussreiche ‚Klima-Tagebücher‘ hinterlassen: zum Beispiel Meeressedimente, Eisbohrkerne oder versteinerte Blätter, die Rückschlüsse auf das Klima (und den CO2-Gehalt) in vergangenen Erdzeiten geben.

5.      Tiere und Pflanzen haben sich doch immer schon an Veränderungen angepasst

Noch nie haben sich die Temperaturen so rapide geändert. Noch nie war die Zeit so knapp bemessen, um sich anzupassen. Denken Sie kurz an den Marathon-Rekordversuch von Eliud Kipchoge, dem es gelungen ist die 2 Stunden Marke zu knacken: wir sind uns einig, dass nicht jeder beliebige Passant aus dem Stand eine solche Leistung in Rekordzeit erbringen könne. Der Athlet, der im alten Griechenland diesen Versuch unternommen haben soll, sei laut Legende in Folge verstorben. So müssen wir leider auch damit rechnen, viele weitere Tier- und Pflanzenarten zu verlieren.

6.      Steigt der Meeresspiegel wirklich an?

Heute liegt der Meeresspiegel weltweit durch den Klimawandel bereits über 20cm höher, als vor der industriellen Revolution. Laut eines Sonderberichts des Weltklimarats zur Lage der Ozeane, der im September erschienen ist, könnte der Meeresspiegel bis zum Ende des Jahrhunderts um über einen Meter ansteigen. Sollte jedoch das Eis in der Antarktis rebellieren, wären auch mehr als 2 Meter möglich. Eine Karte der NASA zeigt eindrucksvoll wie weitreichend diese Veränderungen wären.

Blick auf Felsküste

7.      Gibt es diese Kipp-Punkte oder geht es dabei um Klimahysterie?

Jedes noch so stabile System in der Natur, hat theoretisch einen Punkt, an dem es aufhört zu sein, was es ist. Und das passiert nicht immer schleichend und vorhersehbar. Einige Prozesse im Klimasystem können sich bei fortschreitender Erderwärmung als versteckte Katapulte entlarven. Kipp-Punkte sind das Gruselkabinett der Klimawissenschaften.

Welche Schaurigkeiten hat dieses Gruselkabinett zu bieten? Wir gehen vorbei an den abgebrannten Baumriesen des Amazonasregenwaldes, der wegen Austrocknung kollabiert ist. Wir kommen an entvölkerten Dörfern und Städten in Indien, China und Afrika vorbei (bedingt durch das Ausbleiben des Monsuns oder als Folge von Dürren und Verwüstung). Traurig stapfen wir weiter durch den Matsch aufgetauter Permafrostböden, wandern dann gefühlte Ewigkeiten durch die abgestorbenen Wälder des Nordens. Überall um uns herum schmilzt Eis. Korallen bleichen zu weißen Skeletten aus. Mancherorts wirkt das Meer wie ein überdimensioniertes Sprudelbecken, in dem unaufhörlich Methanblasen an die Oberfläche steigen.

Auf einem großen Schild im Gruselkabinett der Kipp-Punkte ist dann noch zu lesen: „Unerwünschte Nebenwirkungen: bitte bedenken Sie, dass viele Kipp-Punkte sich gegenseitig beeinflussen und gegenseitig anstoßen können.“ Und dann finden wir zum Glück endlich den Ausgang.

Wieviel Zeit haben wir noch um den Klimawandel zu stoppen?

Die gute Nachricht ist: wenn wir uns wirklich mehr als in Zeug legen, können wir das Ruder vielleicht noch herumreißen. Die schlechte Nachricht: es muss jetzt wirklich sofort etwas passieren.

Um die Folgen des Klimawandels halbwegs im Zaum halten zu können und einen gewissen Respektsabstand zu Kipp-Punkten zu wahren, müssen wir den Turbogang einlegen und die Erderwärmung auf +1,5°C begrenzen. Der Weltklimarat unterstreicht dabei die Bedeutung der nächsten 10 Jahre[8]: die entscheidende Dekade in Sachen Klimaschutz hat bereits begonnen

Und wo geht es jetzt zum Notausgang?

Zeichen für NotausgangAn dieser Stelle würde ich gerne zurück zum Bild des Marathonlaufs kommen, der vor uns liegt. Wir alle sind zu diesem Rennen angemeldet. Zuschauer wird es defacto nicht geben. Aber das Teilnehmerfeld ist äußerst bunt. Vielleicht kommen Sie mit Konzern-Chefinnen ins Gespräch, die schon lange Teil der Energiewende sind, vielleicht mit Landwirten, die erfolgreich Humus aufbauen. Oder auch mit Lehrern und Schülern, die tolle Klimaschutzprojekte entwickelt haben. Vielleicht treffen Sie auch auf Handwerksbetriebe, die ihre Flotte auf Elektrofahrzeuge umgestellt haben.

Klar ist, dass so eine Massenveranstaltung gut koordiniert sein will. Diese wichtige Rolle käme der Politik zu. Das hieße, die Strecke gut auszuschildern z.B. durch eine solide Klimagesetzgebung und eine sozial gerecht verteilte CO2-Steuer. Das hieße, irreführende Weggabelungen so abzusperren, dass man nicht von der Strecke abkommen kann z.B. durch klimaschädliche Förderungen, die noch immer in Milliardenhöhe ausgezahlt werden.

Aber es hieße auch, das Durchhaltevermögen der TeilnehmerInnen zu stärken durch ein reichhaltiges Angebot an klimafreundlichen Lebensmitteln (z.B. biologische und authentisch regionale Produkte). Und die Motivation während des gesamten Rennens hoch zu halten, dabei sollten wir uns alle gegenseitig unterstützen.

Portrait einer rothaarigen hübsche FrauÜber die Autorin

Dr. Sybille Chiari arbeitet seit 2011 am Zentrum für globalen Wandel und Nachhaltigkeit an der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien und koordiniert dort internationale Forschungsprojekte rund um die Themen Klimakommunikation, Klimaengagement und zukunftsfähige Lebensweisen. Sie ist Mitgründerin der Arbeitsgruppe Klimakommunikation des Climate Change Centers Austria und Teil der Bewegung Scientists for Future. Privat ist sie Obfrau des Vereins Bele Co-Housing, der ein klimafreundliches Gemeinschaftswohnprojekt mit biologischen Landwirtschaft in Oberösterreich betreibt (www.belehof.at).

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